Metz: Jubiläumsjahr im Zeichen eines harten Wettbewerbs

Das Zirndorfer Familienunternehmen Metz feiert in diesem Jahr sein 75-jähriges Jubiläum. Der Hersteller von Fernseh- und Blitzgeräten, der im Jahr 1938 von Paul Metz als TAM (Transformatoren- und Apparatefabrik Metz) in Fürth gegründet wurde, gehört zu den fränkischen Traditionsunternehmen in Familienhand, die sich bis heute ihre Unabhängigkeit bewahrt haben.

Doch im Jubiläumsjahr steht Metz unter Druck: Seit zwei Jahren herrsche in der gesamten Branche rund um den Globus eine schwere Strukturkrise, konstatiert Dr. Norbert Kotzbauer, der gemeinsam mit Manfred Billenstein die Geschäfte führt. Der Fernsehgerätemarkt sei ein Haifischbecken, geprägt von immer schnelleren Technologiewechseln und einem gnadenlosen Preiskampf.

Der Umsatz der Metz-Werke GmbH & Co KG sank im Geschäftsjahr 2012 vorläufigen Zahlen zufolge „knapp zweistellig“, ein Jahr zuvor waren noch 124 Mio. Euro umgesetzt worden. Im Jubiläumsjahr werde mit einem weiteren Umsatzrückgang gerechnet. Die Zahl der Mitarbeiter sank im vergangenen Jahr von 613 auf 586, aktuell befindet sich rund die Hälfte von ihnen in Kurzarbeit.

Doch das flaue Geschäft löst in Zirndorf keine Panik aus: Die finanzielle Substanz der Metz-Werke GmbH & Co KG ist in der Paul und Helene Metz-Stiftung gesichert, die in schlechten Phasen des zyklischen Marktes einspringt. 1993, nach dem Tod von Paul Metz, übernahm zunächst Ehefrau Helene die Geschäfte, die unter anderem die Stiftung aus der Taufe hob. Heute trägt die 87-Jährige nicht mehr operativ als Geschäftsführerin die Verantwortung, ist aber nach wie vor mit Rat und Tat zur Stelle und im Betrieb präsent. An der Strategie „Made in Germany“ mit einer hohen Wertschöpfungstiefe in der Zirndorfer Fertigung und einem „großen Qualitätsversprechen“ werde aber nicht gerüttelt, versichern Helene Metz und Dr. Norbert Kotzbauer.

Als Nischenanbieter mit hohem Qualitätsanspruch stehe die Marke nicht für Abenteuer: In jedem Fernseher oder Blitzgerät von Metz finde sich nur ausgereifte Technik. „Wir sind nie der erste, der eine bestimmte Technologie anbietet“, so Kotzbauer. Die technischen Features wie 3D oder Internet-Fähigkeit kommen erst ein bis zwei Jahre später auf den Markt, dafür aber gemäß der hauseigenen Premium-Positionierung.

Die erklärungsbedürftige Technik in hochwertiger Ausführung wird ausschließlich über den Fachhandel vertrieben, auch wenn in den letzten 20 Jahren die Zahl der Fachhandelsgeschäfte um rund 40 Prozent abgenommen hat. Trotzdem verteidigt dieser Vertriebskanal in Deutschland einen stabilen Marktanteil von etwa 23 Prozent – trotz Elektronikmärkten, Internet-Konkurrenz und einem in diesem Jahr weiter schrumpfenden Markt auf rund neun Mio. TV-Geräte.

Die Überkapazitäten weltweit werden zu einer weiteren Marktbereinigung führen. Dennoch ist sich Kotzbauer sicher, dass Metz als einer der kleinsten der Branche langfristige Perspektiven hat. Neben Berechenbarkeit und Zuverlässigkeit stehe der Zirndorfer Produzent auch für eine nachhaltige Ersatzteilpolitik. Das lerne der Kunde schätzen, wenn er nach drei Jahren ein Reparaturteil braucht. Bei 80 Prozent der TV-Hersteller funktioniere das nicht mehr, so der Geschäftsführer. Eine wichtige Frage für Produktinnnovationen sei, in welche Richtung sich der Fernseher in Zukunft entwickeln wird: Ist das Gerät künftig eher der „dumme Monitor“ für ein Bündel an Zusatzgeräten im Wohnzimmer oder die „eierlegende Wollmilchsau“, eine Art medialer Alleskönner. Kotzbauer gibt sich auf jeden Fall zuversichtlich, dass Qualität „Made in Germany“, zukunftssichere Produktkonzepte, klare Vertriebsstrukturen und absolute Kundenorientierung für Metz weiterhin gute wirtschaftliche Perspektiven eröffnen.

Autor: tt.

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 07/2013, Seite 75