Embedded World: Intelligente Mikrocomputer

Das Nürnberger Messezentrum hat erneut seine Position als weltweit wichtigster Branchentreff für die Embedded-Systemtechnik unter Beweis gestellt: 870 Aussteller und rund 22 000 Fachbesucher waren zur dreitägigen Messe „Embedded World Exhibition & Conference“ nach Nürnberg gekommen, die zum elften Mal stattfand. Sie tauschten sich über technologische Innovationen und Trends bei Embedded-Systemen aus (elektronische Rechner oder Kleinstcomputer, die oftmals nur eine oder wenige, hoch spezialisierte Funktionen übernehmen).

Einige Beispiele: Etwa 70 unterschiedliche eingebettete Systeme befinden sich heute in einem Auto, beispielsweise um die reibungslose Funktion des Airbags zu kontrollieren. In Kleidungsstücke oder Skihelme lassen sich Minisolarkraftwerke integrieren, um Smartphones oder MP3-Player aufzuladen. Andere Embedded Systeme können Körperwärme in Strom umwandeln und somit einen Herzschrittmacher in Betrieb halten.

Die Veranstaltung stand heuer ganz im Zeichen von „Safety, Security und Ultra Low Power“, wie der Leipziger Prof. Dr. Matthias Sturm erklärte, der den Fachbeirat der Embedded World leitet. Ein wichtiger Trend sei das Thema Ultra Low Power: Der Energieverbrauch der Systeme werde stetig reduziert und auf diese Weise ein längerer, wartungsfreier Betrieb gewährleistet.

Große Herausforderungen sieht Sturm beim Thema „Safety“ und „Security“, wobei sich diese englischen Begriffe nicht einfach mit „Sicherheit“ übersetzen ließen. Sturm erklärte den Unterschied am Beispiel eines Kettenkarussells: Safety bezeichne in diesem Fall die funktionale Sicherheit, dass die Ketten im Betrieb den hohen Kräften standhalten; unter Security verstehe man die Gefahrenabwehr gegen Angriffe und Sabotage von außen (in diesem Fall: niemand kann in der Nacht die Ketten ansägen). In puncto Embedded Systeme sieht Sturm Nachholbedarf beim Aspekt Security: Die Systeme kommunizieren ohne Zugriff des Menschen automatisiert miteinander, die Verbindung und Vernetzung von Anlagen, Kraftwerken oder Versorgungstechnik via Internet mache die Systeme immer angreifbarer.

Hinzu komme, dass die Hacker von heute nicht mehr nur Einzeltäter seien, die Viren auf PCs einschleusen. Vielmehr beschäftigten sich Organisationen und Staaten mit Indus-
triespionage und gezielter Zerstörung. Diesen Gefahren müsste durch ein komplexeres Denken der Entwickler und Ingenieure begegnet werden. „Dieser Aspekt ist bislang unterentwickelt“, so Sturm.

Am Rande der Kongressmesse erhielt das Erlanger Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS den Sonderpreis des „Embedded Award 2013“. Gewürdigt wurde das „Multi-Hop-Sensornetz“, das wartungsfrei, energieautark und drahtlos eine „zukunftweisende Lösung“ für künftige Prozessanwendungen bilde.

Autor: tt.

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 03/2013, Seite 66