Datev: Datenschutz als zentraler Aspekt

Die Nürnberger Datev eG hat den Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr um 3,9 Prozent auf 760 Mio. Euro gesteigert. Das Betriebsergebnis kletterte im Jahr 2012 um 20 Prozent auf 46 Mio. Euro, von denen rund drei Viertel als genossenschaftliche Rückvergütung an die Eigentümer ausgeschüttert werden sollen.

„Wir sind zufrieden“, bilanzierte Vorstandsvorsitzender Prof. Dieter Kempf. Das Wachstum liege über dem Branchendurchschnitt, zudem sei erstmals die Marke von 40 000 Mitgliedskanzleien überschritten worden. Mit Datev-Software werden monatlich über elf Mio. Lohn- und Gehaltsabrechnungen für Arbeitnehmer erstellt.

IT-Dienstleistungen für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte sind das klassische Stammgeschäft der Datev, die im Jahr 1966 als reiner Dienstleister für die Datenverarbeitung steuerberatender Berufe gegründet wurde. Auf dieses Geschäftsfeld entfallen heute ca. drei Viertel des Umsatzes. Weitere Geschäftsbereiche sind Beratung und spezielle Lösungen für Unternehmen, Kommunen und Gründer.

Zunehmende Bedeutung gewinnt das sogenannte IT-Sourcing, bei dem die Datev auf geschlossene Cloud-Systeme in eigenen Rechenzentren in Nürnberg setzt. Bei solchen Diensten seien höchste Anforderungen an den Datenschutz zu beachten. „Stinksauer“ zeigte sich Kempf, der auch Präsident des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) ist, deshalb darüber, dass die systematische Abhörpraxis der US-amerikanischen und britischen Nachrichtendienste nur scheibchenweise enthüllt werde. „Vertrauen in den Datenschutz ist ein fragiles Gut“, sagte er auch mit Blick auf die Steuerdaten, für deren Sicherheit die Datev zu sorgen habe. Er mahnt auch die Wirtschaft, gerade die kleinen und mittleren Unternehmen, bei E-Mail-Systemen und Cloud Computing sicherheitstechnisch nachzurüsten.

Im Geschäftsjahr 2012 hat die Datev 300 neue Mitarbeiter eingestellt, die Zahl der Beschäftigten stieg auf über 6 400. Im Branchenvergleich rangiert die Datev damit in Deutschland auf Platz 2 hinter dem internationalen Software-Riesen SAP. Um den weiter wachsenden Bedarf an IT-Entwicklern und Betriebswirten zu decken, positioniere sich die Datev seit Jahren als attraktiver Arbeitgeber, erklärte Kempf. Dazu gehöre auch das Engagement beim weltweit bekannten Triathlon in Roth, der in diesem Jahr erstmals als „Datev Challenge Roth“ veranstaltet wurde. Auch das Bemühen um mehr Familienfreundlichkeit zahle sich aus bei der Gewinnung von qualifizierten Mitarbeitern aus. Personalvorstand Jörg Rabe von Pappenheim stellt auch Bewerber „mit nicht so gradlinigen Lebensläufen“ oder mit Bruchstellen in der Karriere ein und testet sie über Zeitarbeit oder Werkverträge. In diesem Jahr sollen 144 von ihnen eine reguläre Stelle bekommen, insgesamt sind für das laufende Geschäftsjahr 400 Neueinstellungen geplant. Im ersten Halbjahr 2013 stieg der Umsatz der Datev um fünf Prozent auf 402 Mio. Euro. Dieses Wachstum will Kempf bis zum Jahresende durchhalten.

Autor: tt.

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 09/2013, Seite 94